Unternehmensbewertung: Die 3 wichtigsten Methoden im Vergleich
EBITDA-Multiple, DCF oder Substanzwert — welche Bewertungsmethode ist die richtige für Ihr Unternehmen? Ein sachlicher Überblick für Geschäftsführer.
Warum die Wahl der Methode entscheidend ist
„Was ist mein Unternehmen wert?" — diese Frage wird je nach Kontext unterschiedlich beantwortet. Beim Unternehmensverkauf im deutschen Mittelstand dominieren Marktmethoden (EBITDA-Multiples, Umsatz-Multiples), während bei Erbschaftssteuern oder Scheidungen das IDW S1-Ertragswertverfahren greift.
Dieser Beitrag gibt einen praxisorientierten Überblick über die drei wichtigsten Methoden — und erklärt, wann welche zutrifft.
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Methode 1: EBITDA-Multiple (Marktmethode)
Die EBITDA-Multiple-Methode ist der Standard bei M&A-Transaktionen im deutschen Mittelstand.
Formel: Normalisiertes EBITDA × branchenspezifischer Multiple = Enterprise Value
Was bedeutet "normalisiertes EBITDA"?
Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization) wird um Einmaleffekte bereinigt: Übergehalt des Inhabers, nicht betriebsnotwendige Ausgaben, außerordentliche Erträge oder Aufwendungen.
Branchenspezifische Multiples (Orientierungswerte 2026):
| Branche | Multiple-Range | |---------|---------------| | Handwerk & Gebäudetechnik | 3,0x – 6,5x | | Dienstleistungen | 4,0x – 8,0x | | Software & SaaS | 6,0x – 14,0x | | Gesundheitswesen | 5,0x – 10,0x | | Produktion & Industrie | 4,5x – 8,5x |
Vorteil: Marktbasiert, verständlich, direkt vergleichbar mit Transaktionen. Nachteil: Abhängig von Marktlage (in Krisen sinken Multiples deutlich).
Methode 2: DCF-Methode (Discounted Cash Flow)
Die DCF-Methode berechnet den Barwert aller zukünftigen freien Cash Flows des Unternehmens.
Formel: Unternehmenswert = Σ (FCF_t / (1 + r)^t) + Terminalwert
Dabei ist r der gewichtete Kapitalkostensatz (WACC) — typischerweise 10–15% für mittelständische Unternehmen.
Wann wird DCF eingesetzt?
- Bei Unternehmen mit hohem Wachstum und aktuell niedrigem EBITDA (Wachstumspotenzial wird explizit modelliert)
- Bei Private-Equity-Transaktionen als Plausibilitätsprüfung
- Im Bankwesen zur Kreditwürdigkeitsbeurteilung
Vorteil: Berücksichtigt Wachstum und Zukunftspotenzial explizit. Nachteil: Stark abhängig von Prognosen — kleine Änderungen der Wachstumsrate oder des Diskontierungssatzes bewegen den Wert erheblich. Im Mittelstand oft unpraktisch, weil keine verlässlichen 5-Jahres-Planungen vorliegen.
Methode 3: Substanzwert (Net Asset Value)
Der Substanzwert addiert alle Vermögenswerte und subtrahiert alle Verbindlichkeiten.
Formel: Substanzwert = Aktiva − Verbindlichkeiten (zu Zeitwerten bewertet)
Wann ist der Substanzwert relevant?
- Holding-Strukturen mit wesentlichem Immobilienvermögen
- Unternehmen mit negativem oder sehr niedrigem Ertrag (Insolvenz-Szenarien)
- Als Untergrenze bei der Bewertung (kein Käufer zahlt weniger als den Substanzwert)
Für operative Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen mit normaler Ertragslage ist der Substanzwert fast immer deutlich niedriger als der Ertragswert — und damit nicht kaufpreisrelevant.
Welche Methode gilt beim Verkauf?
In M&A-Verhandlungen im deutschen Mittelstand gilt: Der Markt entscheidet, und der Markt rechnet mit Multiples.
Ein Käufer zahlt einen Preis, der seiner Renditeerwartung entspricht. Bei einer Akquisitionsrendite von 15% und einem EBITDA von 1 Mio. EUR ergibt sich ein Kaufpreis von ca. 6,7 Mio. EUR — was einem 6,7x EBITDA-Multiple entspricht.
Die DCF-Methode dient als interne Plausibilisierung, die Substanzwertmethode als Untergrenze. Die Marktmethode (Multiple) ist der Ausgangspunkt jeder Preisfindung.
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Fazit
Für den Unternehmensverkauf im Mittelstand ist die EBITDA-Multiple-Methode maßgeblich. Ihre Vorbereitung sollte deshalb mit der Frage beginnen: Wie hoch ist unser normalisiertes EBITDA, und welche Multiples sind in unserer Branche realistisch?
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