Branchenanalyse — Gesundheitswesen
Arztpraxis & Gesundheitsunternehmen verkaufen: Bewertung 2026
Arztpraxen, MVZ, Pflegedienstleister und medizinische Labore gehören zu den wertvollsten mittelständischen Unternehmen. Was ist Ihr Gesundheitsunternehmen wert, und wer kauft?
Bewertungsmultiples für Gesundheitswesen
EBITDA-Multiple
6.7x – 8.6x EBITDA
Marktstandard bei M&A-Transaktionen
Umsatz-Multiple
0.9x – 1.2x Umsatz
Ergänzende Bewertungsperspektive
Orientierungswerte 2026 — indikative Einschätzung, keine Finanzberatung
Branchensegmente
Marktüberblick: Gesundheitswesen in Deutschland
Das deutsche Gesundheitswesen durchläuft die größte Konsolidierungswelle seiner Geschichte. Der Treiber: 97.000 niedergelassene Ärzte sind über 60 Jahre alt — eine Nachfolgewelle, die PE-Investoren, Klinikkonzerne und strategische Käufer in den Markt zieht. Gleichzeitig wächst die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) rasant: 5.085 MVZ sind in Deutschland registriert — ein Zuwachs von 2.264 seit 2017.
97.000
Ärzte über 60 Jahre (Nachfolgewelle)
KBV 2025
5.085
MVZ in Deutschland
KBV 2025
15.400
Ambulante Pflegedienste
Destatis 2025
110.000 EUR
Ideeller Wert Hausarztpraxis (Schnitt)
KZBV 2025
260.000 EUR
Ideeller Wert Zahnarztpraxis (Schnitt)
KZBV 2025
135
Standorte Ober Scharrer Gruppe
OSG 2025
Die wichtigsten Segmente im M&A-Markt:
- MVZ & Praxisketten: PE-getriebene Konsolidierung in Augenheilkunde, Zahnmedizin, Orthopädie und Dermatologie — von Einzelpraxis zur Plattform
- Einzelpraxen (Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte): Klassische Nachfolge mit ideellem Wert und Substanzwert, oft über die KV vermittelt
- Pflegedienste: 15.400 ambulante Pflegedienste in Deutschland, wachsende Nachfrage durch die alternde Bevölkerung — Personalgewinnung ist die größte Herausforderung
- Kliniken & stationäre Einrichtungen: Übernahmen durch Klinikkonzerne (Helios, Asklepios, Schön Klinik), zunehmend auch durch PE-Fonds
- Medizintechnik: Von Labordiagnostik über Praxissoftware bis Medizingeräte — oft technologiegetrieben mit hohen Multiples
Nachfolgewelle 2025–2030
Mit 97.000 Ärzten über 60 Jahren steht Deutschland vor der größten Praxisnachfolge-Welle in der Geschichte des ambulanten Sektors. Gleichzeitig wollen immer weniger junge Mediziner das unternehmerische Risiko einer Einzelpraxis tragen. Für Praxisinhaber mit gut dokumentierten Strukturen, loyalem Patientenstamm und übertragbarer Zulassung öffnet sich ein historisches Zeitfenster für attraktive Verkaufspreise.
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Bewertungsfaktoren für Gesundheitsunternehmen
EBITDA-Multiples nach Segment
Die Bewertung von Gesundheitsunternehmen unterscheidet sich fundamental nach Versorgungsebene, Skalierbarkeit und regulatorischem Rahmen. Das Gesundheitswesen ist eine der wenigen Branchen, in der die Bewertungsmethodik je nach Unternehmenstyp grundlegend variiert: Einzelpraxen werden über den ideellen Wert plus Substanzwert bewertet, während MVZ-Plattformen und Kliniken nach EBITDA-Multiples gehandelt werden.
Einzelpraxis-Bewertung: Ideeller Wert + Substanzwert
Für klassische Einzelpraxen gilt eine eigene Bewertungsmethodik, die sich von der EBITDA-Methode unterscheidet:
Bewertungsmethodik: Einzelpraxis (Zahnarzt-Beispiel)
Wichtig: Der ideelle Wert variiert erheblich nach Fachrichtung und Standort. Richtwerte:
- Hausarztpraxis: ca. 110.000 EUR ideeller Wert
- Zahnarztpraxis: ca. 260.000 EUR ideeller Wert
- Facharztpraxis: 200.000–500.000+ EUR (Radiologie und Augenheilkunde am oberen Ende)
- In Ballungsräumen mit hoher Patientendichte liegen die Werte typischerweise 20–30% über dem Durchschnitt
Der Plattform-Aufschlag: Vom Einzelstandort zur Kette
Der stärkste Bewertungshebel im Gesundheitswesen ist die Skalierbarkeit. Eine einzelne Zahnarztpraxis wird mit dem 1,5x–3x Umsatz bewertet. Eine Dental-Kette mit zehn Standorten, zentralem Management und standardisierten Prozessen erreicht 8x–12x EBITDA — ein Vielfaches.
Plattform-Aufschlag: Einzelpraxis vs. MVZ-Kette
Konkretes Beispiel: Dental21 hat in wenigen Jahren 50 Standorte aufgebaut und wird auf Basis von PE-Multiples mit dem 8x–10x EBITDA bewertet. Eine vergleichbare Einzelpraxis mit identischem Umsatz pro Stuhl erzielt nicht einmal die Hälfte.
Praxis-Tipp: MVZ-Struktur als Bewertungshebel
Wenn Sie eine oder mehrere Einzelpraxen betreiben, kann die Umstrukturierung in eine MVZ-GmbH den Unternehmenswert erheblich steigern. Die MVZ-Struktur ermöglicht Share Deals (Zulassungskontinuität), angestellte Ärzte (weniger Key-Person-Risiko) und ist für PE-Investoren als Add-on-Akquisition deutlich attraktiver als ein klassischer Praxiskauf.
Regulatorische Wertfaktoren: KV-Zulassung und Bedarfsplanung
Im Gesundheitswesen sind regulatorische Faktoren bewertungsrelevant wie in keiner anderen Branche:
- KV-Zulassung: Die Kassenzulassung ist das wertvollste immaterielle Asset einer Praxis. In gesperrten Planungsbezirken (Überversorgung) kann der Praxissitz eingezogen werden — das Kaufobjekt verliert seinen Kern
- MVZ-Gründungsberechtigung: Nur Ärzte, Krankenhäuser und gemeinnützige Träger dürfen ein MVZ gründen. PE-Investoren umgehen dies durch Share Deals an bestehenden MVZ-GmbHs
- Bedarfsplanung: In unterversorgten Gebieten sind Zulassungen leichter zu erhalten — das kann den Standortwert für Plattformkäufer erhöhen, die expandieren wollen
- Approbation und Facharzttitel: Für den Betrieb zwingend erforderlich, nicht übertragbar
- Selektivverträge: Bestehende Verträge mit Krankenkassen außerhalb der Regelversorgung können den Praxiswert steigern — sie sind jedoch an die Person oder die Struktur gebunden und müssen beim Verkauf neu verhandelt werden
Zulassungskontinuität sichern — Share Deal vs. Asset Deal
Bei einem Asset Deal (Praxisübernahme) muss der Käufer eine eigene KV-Zulassung beantragen — mit dem Risiko, dass die KV den Sitz in überversorgten Gebieten einzieht. Beim Share Deal (Anteilsübernahme an der MVZ-GmbH) bleibt die Zulassung erhalten. Deshalb bevorzugen PE-Käufer fast ausnahmslos den Share Deal. Klären Sie die Deal-Struktur frühzeitig mit Ihrer KV.
Käufertypen für Gesundheitsunternehmen
PE-gestützte Plattformketten: Die Konsolidierer
Private-Equity-Fonds sind die dominierenden Käufer im ambulanten Gesundheitssektor. Ihre Strategie: Eine Plattform in einer medizinischen Fachrichtung aufbauen, Einzelpraxen als Add-ons integrieren, Verwaltung zentralisieren, nach 5–7 Jahren gewinnbringend weiterverkaufen.
Ober Scharrer Gruppe (OSG)
5–50 Mio. EUR Umsatz135 Standorte in der Augenheilkunde — die größte ophthalmologische Plattform Deutschlands. PE-gestützt, aktives Buy-and-Build. Kauft Augenarztpraxen und augenchirurgische Zentren in ganz Deutschland.
Zahneins
1–20 Mio. EUR Umsatz73 Dental-Standorte, aggressive Buy-and-Build-Strategie in der Zahnmedizin. Zentralisiertes Management, standardisierte Prozesse, Schwerpunkt auf Qualitätszahnmedizin. Einer der aktivsten Dental-Konsolidierer in Deutschland.
Dental21
1–15 Mio. EUR Umsatz50 Standorte, digitalisierte Prozesse, Fokus auf junge urbane Zielgruppe. Differenziert sich durch Technologie: digitale Abformung, CAD/CAM, Online-Terminbuchung. Sucht Praxen in urbanen Lagen mit digitalaffinem Patientenstamm.
Weitere Plattformen
VariabelPrimaDent (Süddeutschland), Noventi-gestützte Ketten (Apothekenabrechner, Expansion in ambulanten Sektor), EyeMD (Augenheilkunde), Primedic (Orthopädie). Die Zahl der PE-gestützten Plattformen wächst monatlich — in fast jeder Fachrichtung gibt es mittlerweile aktive Konsolidierer.
“Die Konsolidierung im ambulanten Sektor ist nicht mehr aufzuhalten. Entscheidend ist, dass die Versorgungsqualität erhalten bleibt. Für Praxisinhaber bedeutet das: Wer jetzt verkauft, trifft auf einen Käufermarkt mit hoher Nachfrage — besonders in Fachrichtungen mit Nachfolgelücke.”
Klinikkonzerne und strategische Medizingruppen
Große Klinikbetreiber expandieren zunehmend in den ambulanten Sektor, um die gesamte Versorgungskette abzudecken:
Helios (Fresenius)
10–200 Mio. EUR UmsatzGrößter privater Klinikbetreiber Europas. Baut systematisch ein MVZ-Netzwerk aus, um die ambulante Versorgung rund um die eigenen Kliniken abzudecken. Interesse an Praxen im Einzugsgebiet der eigenen Kliniken.
Asklepios
5–100 Mio. EUR UmsatzÜber 170 Einrichtungen. Aktiv bei MVZ-Akquisitionen, besonders in Regionen mit bestehendem Klinik-Netzwerk. Fokus auf sektorenübergreifende Versorgung (stationär + ambulant).
Versicherungsnahe Investoren
Krankenversicherer & Health-VCs
VariabelDKV, Allianz Ventures und spezialisierte Health-VCs prüfen Beteiligungen an MVZ-Strukturen und digitalen Gesundheitsunternehmen. Noch ein junger Käufertyp, aber wachsend — getrieben durch das Ziel, Versorgungskosten zu steuern und Versorgungsqualität zu sichern.
Einzelnachfolger und Angestellte Ärzte
Einzelnachfolger (junge Mediziner)
200.000 – 2 Mio. EURFür klassische Einzelpraxen (Hausarzt, Facharzt) sind junge Mediziner und angestellte Ärzte weiterhin die häufigsten Käufer. Die KV vermittelt aktiv über Praxisbörsen. Die Bereitschaft zur Niederlassung sinkt allerdings — 2026 suchen viele Praxen vergeblich nach Einzelnachfolgern.
Der typische Verkaufsprozess für Gesundheitsunternehmen
Der Verkaufsprozess im Gesundheitswesen ist durch regulatorische Anforderungen komplexer als in anderen Branchen. Die KV-Abstimmung und die Zulassungsfragen ziehen sich als roter Faden durch den gesamten Prozess.
Vorbereitung & KV-Abstimmung
2–4 MonatePraxisbewertung erstellen (ideeller Wert + Substanzwert bei Einzelpraxen, EBITDA-Methode bei MVZ). Frühzeitige Abstimmung mit der KV zur Bedarfsplanung — droht eine Sitzeinziehung? Abrechnungsanalyse der letzten 3–5 Jahre durch spezialisierten Berater. DSGVO-Konzept für Patientendatenübertragung vorbereiten. Steuerliche Strukturierung klären (Share Deal vs. Asset Deal, Auswirkung auf KV-Zulassung). Information Memorandum erstellen.
Käufersuche & Ansprache
3–6 MonateIdentifikation potenzieller Käufer: PE-Plattformen, Klinikkonzerne, Einzelnachfolger (KV-Praxisbörse), MBI-Kandidaten. Bei MVZ-Verkäufen: Vertrauliche Ansprache von 5–15 PE-Plattformen und strategischen Käufern. Bei Einzelpraxen: KV-Praxisbörse, Fachgesellschaften, Ärztekammern, spezialisierte Makler. Besonderheit: Diskretion gegenüber Patienten ist kritisch — eine zu frühe Kommunikation kann zu Patientenabwanderung führen.
LOI & Verhandlung
1–2 MonateVerhandlung des LOI mit speziellen Gesundheitssektor-Klauseln: KV-Zulassungskontinuität, Wettbewerbsverbot (Radius und Dauer), Übergangsfrist, Patienteninformation, Umgang mit offenen Regressen. Bei PE-Käufern: Rückbeteiligung (Roll-over), Management-Vereinbarung, Meilensteinzahlungen.
Due Diligence (regulatorischer Schwerpunkt)
3–6 MonateDie DD im Gesundheitswesen ist besonders umfangreich: KV-Billing Audit (Abrechnungsprüfung 3–5 Jahre), Zulassungsprüfung, Hygieneprüfung, MPBetreibV-Konformität, Personalanalyse (Approbationen, Facharzttitel, Fortbildungsnachweise), Mietvertragsprüfung, DSGVO-Compliance, Versicherungen (Berufshaftpflicht, D&O). Bei MVZ zusätzlich: Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführerbestellung, Zulassungsbescheide.
Kaufvertrag, KV-Genehmigung & Closing
2–4 MonateKaufvertragsfinalisierung mit sektorspezifischen Klauseln. Bei Praxisübergabe: KV-Antrag des Nachfolgers, Zulassungsausschuss-Sitzung (quartalsmäßig — Timing beachten!). Patienteninformation über den Inhaberwechsel (DSGVO-konform). Notarielle Beurkundung bei Share Deal. Übergabe der Patientendaten, Praxissoftware, Abrechnungssysteme. Offizieller Praxiswechsel zum Quartalsbeginn (üblich).
Due Diligence: Worauf Käufer besonders achten
Die Due Diligence im Gesundheitswesen geht weit über Finanzzahlen hinaus — regulatorische, medizinische und datenschutzrechtliche Prüfungen dominieren:
- Zulassungsprüfung: Besteht die KV-Zulassung fort? Droht eine Sitzeinziehung durch die Bedarfsplanung? Ist die MVZ-Gründungsberechtigung gesichert?
- Abrechnungsprüfung (KV-Billing Audit): Käufer prüfen die KV-Abrechnungen der letzten 3–5 Jahre auf Regresse, Plausibilitätsprüfungen und offene Rückforderungen. Ein laufendes Regressverfahren kann den Deal stoppen
- Hygienevorschriften und Medizinprodukte: MPBetreibV-Konformität, Hygienepläne, Geräteprüfprotokolle — Versäumnisse können hohe Nachrüstungskosten verursachen
- Patientenstamm und DSGVO: Die Übertragung von Patientendaten unterliegt strengen DSGVO-Vorgaben. Patienten müssen über den Inhaberwechsel informiert werden; ein pauschaler Datenübergang ohne Information ist unzulässig
- Personalverträge: Arbeitsverträge für Ärzte und medizinisches Fachpersonal, Wettbewerbsklauseln, Fortbildungsverpflichtungen, Tarifbindung
- Mietverträge: Praxisräume sind standortgebunden — Mietverträge, Laufzeiten und Verlängerungsoptionen sind dealrelevant
Abrechnungsrisiko — der Deal-Killer Nr. 1
Offene oder erwartbare KV-Regresse sind das häufigste Hindernis bei Praxisverkäufen. Lassen Sie Ihre Abrechnungen vor Verkaufsstart von einem spezialisierten Berater prüfen. Selbst kleine Auffälligkeiten können Käufer verunsichern und zu erheblichen Preisabschlägen oder Rücktrittsklauseln führen.
Deal-Struktur: Share Deal vs. Asset Deal im Gesundheitswesen
Im Gesundheitswesen hat die Deal-Struktur direkten Einfluss auf die Zulassungskontinuität — ein Faktor, der in keiner anderen Branche vergleichbar existiert.
- •Klassisch bei Einzelpraxen (Hausarzt, Facharzt, Zahnarzt)
- •Käufer muss eigene KV-Zulassung beantragen — Risiko der Sitzeinziehung
- •Geräte, Einrichtung und Praxisbedarf werden einzeln bewertet (Substanzwert)
- •Goodwill (ideeller Wert) wird separat verhandelt
- •Typisches Wettbewerbsverbot: 2 Jahre, 20–30 km Radius
- •Übergangsfrist: 6–12 Monate (Patientengewöhnung)
- •Bevorzugt von PE-Käufern bei MVZ-Strukturen
- •KV-Zulassung bleibt erhalten — kein Sitzeinziehungsrisiko
- •Käufer übernimmt alle Rechte und Pflichten der GmbH
- •Steuerlich günstiger für Verkäufer (Teileinkünfteverfahren)
- •Notarielle Beurkundung zwingend erforderlich
- •Gesellschaftsvertrag und Geschäftsführerbestellung werden übertragen
Spezielle Vertragsklauseln im Gesundheitssektor
Bei Praxis- und MVZ-Verkäufen sind folgende Klauseln branchenüblich:
- Wettbewerbsverbot: 2 Jahre und 20–30 km Radius (Ballungsräume enger), bei Fachärzten mit seltener Spezialisierung auch erweitert
- Übergangsfrist: 6–12 Monate Anwesenheit des Altinhabers, damit Patienten den Übergang akzeptieren
- Regressklausel: Käufer behält Kaufpreisanteil zurück für den Fall offener oder zukünftiger KV-Regresse
- Patienteninformationspflicht: Vertragliche Regelung, wann und wie Patienten informiert werden
- Mietvertragsverlängerung: Absicherung der Praxisräume für mindestens 5 Jahre nach Übernahme
Steuerliche Aspekte beim Praxis- und MVZ-Verkauf
Einzelpraxis (Asset Deal / Praxisübernahme)
Steuerbelastung: Hausarztpraxis-Verkauf (Einzelunternehmen)
Wichtig: Der ermäßigte Steuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG ist einmalig im Leben nutzbar und setzt die Vollendung des 55. Lebensjahres oder dauerhafte Berufsunfähigkeit voraus. Alternativ steht die Fünftelregelung (§ 34 Abs. 1 EStG) zur Verfügung.
MVZ-Anteile (Share Deal)
- Teileinkünfteverfahren: Nur 60% des Veräußerungsgewinns sind steuerpflichtig
- Effektive Steuerbelastung: ca. 27–30% (deutlich günstiger als Asset Deal bei hohen Gewinnen)
- Holding-Gestaltung möglich: Bei Einbringung in eine GmbH vor dem Verkauf nahezu steuerfreie Veräußerung (§ 8b KStG)
Besondere Herausforderungen nach Fachrichtung
Zahnmedizin
Die aktivste M&A-Fachrichtung. Dental-Ketten sind der am weitesten konsolidierte Bereich im ambulanten Gesundheitssektor. Besonderheiten: Hohe Material- und Laborkosten (Edelmetall, Keramik), starke Eigenleistungsquote (Zuzahlungen), Potenzial für Effizienzsteigerung durch Digitalisierung (CAD/CAM, 3D-Druck). Bewertung: 1,5x–3x Umsatz (Einzelpraxis), 8x–12x EBITDA (MVZ-Kette).
Augenheilkunde
Stark konsolidiert durch Plattformen wie Ober Scharrer Gruppe (135 Standorte). Besonderheiten: Hoher Anteil operativer Leistungen (Kataraktchirurgie, refraktive Chirurgie) mit attraktiven Honoraren, Synergiepotenzial durch zentralisierte OP-Planung. Bewertung: Überdurchschnittlich durch hohe operative Margen.
Hausarztpraxen
Schwierigste Nachfolgesituation — viele junge Mediziner scheuen die Niederlassung als Hausarzt. Besonderheiten: Niedrigere ideelle Werte als Fachärzte, aber große Patientenstämme. Zunehmende Lösung: MVZ-Integration durch Klinikkonzerne, die hausärztliche Versorgung im Umfeld ihrer Kliniken sicherstellen.
Pflegedienste
Wachsender Markt durch Demografie, aber massive Personalengpässe. Besonderheiten: Bewertung primär nach Zahl der Pflegekräfte und Pflegegradmix (höhere Pflegegrade = höhere Vergütung). Käufer: Große Pflegegruppen (Korian, Alloheim), kommunale Träger, PE-Fonds. Multiple: 5x–8x EBITDA, stark abhängig von Personalsituation.
Häufige Fehler beim Verkauf von Gesundheitsunternehmen
1. KV-Abstimmung zu spät beginnen
Die KV-Bedarfsplanung und der Zulassungsausschuss arbeiten nach eigenen Zeitplänen (quartalsmäßige Sitzungen). Wer die KV-Abstimmung nicht frühzeitig einleitet, riskiert Verzögerungen von 3–6 Monaten. Beginnen Sie die KV-Kontaktaufnahme mindestens 12 Monate vor dem geplanten Verkauf.
2. Abrechnungsrisiken nicht proaktiv klären
Offene oder potenzielle KV-Regresse sind der häufigste Deal-Killer. Lassen Sie Ihre Abrechnungen vor dem Verkauf von einem spezialisierten Berater prüfen — die Kosten (2.000–5.000 EUR) sind minimal im Vergleich zum Risiko eines gescheiterten Verkaufs.
3. Patienteninformation falsch timen
Zu frühe Information führt zu Patientenabwanderung, zu späte Information verletzt die DSGVO. Die richtige Timing-Strategie: Information nach dem Signing, aber vor dem Closing, mit ausreichend Vorlauf für Patienten, die wechseln möchten.
4. Einzelarzt-Abhängigkeit nicht adressieren
Wenn die gesamte Praxis um einen einzigen Arzt herum aufgebaut ist, ist das für Käufer ein erhebliches Risiko. Lösung: Mindestens 12 Monate vor dem Verkauf einen angestellten Arzt oder Partner einarbeiten, der die Versorgung nach dem Inhaberwechsel sicherstellt.
5. Mietvertragslücken
Praxisräume in guter Lage sind nicht ersetzbar. Wenn der Mietvertrag in 2 Jahren ausläuft und keine Verlängerungsoption besteht, sinkt der Praxiswert erheblich. Lösung: Mietvertrag vor dem Verkauf verlängern oder Verlängerungsoption verhandeln.
Beispielrechnung: MVZ-Plattform bewerten
Ausgangssituation: Zahnmedizinisches MVZ mit 4 Standorten, 12 angestellten Zahnärzten, 3,8 Mio. EUR Umsatz, 760.000 EUR normalisiertes EBITDA, zentrales Praxismanagement, kein dominanter Einzelarzt, alle Standorte mit gesicherten Mietverträgen (mind. 5 Jahre Restlaufzeit)
Detaillierte Bewertung: Zahnmedizinisches MVZ (4 Standorte)
Vergleich Einzelpraxis: Eine einzelne Zahnarztpraxis mit 800.000 EUR Umsatz und ähnlicher Profitabilität pro Stuhl würde mit dem 1,5x–2,5x Umsatz bewertet — ca. 1,2–2,0 Mio. EUR. Die MVZ-Plattform erzielt das 3- bis 4-fache bei äquivalenter Praxis-Performance.
Checkliste: Ist Ihr Gesundheitsunternehmen verkaufsbereit?
“Im ambulanten Gesundheitssektor entscheidet die Struktur über den Wert. Eine Einzelpraxis ist ein Arbeitsplatz — eine MVZ-Plattform ist ein Unternehmen. Wer vor dem Verkauf den Schritt von der Einzelpraxis zur skalierbaren Struktur schafft, multipliziert seinen Firmenwert.”
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Marktentwicklung & Trends
Der Gesundheitssektor erlebt eine deutliche Konsolidierungswelle: Private-Equity-finanzierte MVZ-Ketten, Pflegeholdings und medizinische Versorgungsnetze investieren aktiv. Demographische Trends und Fachkräftemangel machen gut aufgestellte Betriebe attraktiv. Regularien und Zulassungsrisiken müssen sorgfältig in der Due Diligence geprüft werden.
Typische Deal-Größen
Einzelarztpraxen haben typische Unternehmenswerte von 300 Tsd. bis 1,5 Mio. EUR. Größere Praxisverbünde und Pflegedienstleister werden mit 5,0x bis 10,0x EBITDA bewertet. MVZ können deutlich höhere Multiples erreichen, wenn sie skalierbare Strukturen aufweisen.
Häufige Fragen: Gesundheitswesen
Welche EBITDA-Multiples erzielen Gesundheitsunternehmen beim Verkauf?+
Was ist der ideelle Wert einer Arztpraxis und wie wird er ermittelt?+
Wer kauft Gesundheitsunternehmen im deutschen Mittelstand?+
Welche regulatorischen Besonderheiten gibt es beim Verkauf einer Arztpraxis oder eines MVZ?+
Wie lange dauert der Verkauf eines Gesundheitsunternehmens?+
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